Erschöpfung und Burnout – was du konkret tun kannst

In den vergangenen Jahren ist mir aufgefallen, dass immer mehr Menschen erschöpft, müde oder sogar völlig ausgebrannt sind – also keine Kraft mehr haben und mit den Nerven völlig am Ende sind.

Sogar Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene leiden unter einem viel zu niedrigen Energielevel. Sie werden krank, können nicht gut schlafen, sind unruhig und meiden am Ende das sogenannte „normale“ Leben, weil sie einfach nicht mehr können, ängstlich und unsicher sind.

Ursache Nr. 1 – funktionieren anstatt bewusst und achtsam zu handeln

Eine Hauptursache auf der Verhaltensebene ist das Funktionieren.

Hier haben wir ganz klare Ideen und Vorstellungen davon, wie der Tag zu laufen hat, wie wir sein wollen, was wir alles zu erledigen und zu tun haben. Es gibt eine klare Vorstellung von dem, was passieren soll und der folgen wir einfach mit voller Kraft. Manchmal über Jahrzehnte. Wir funktionieren wie Maschinen.

Das zentrale Problem ist hier, dass die Körperempfindungen ignoriert werden. Ohne das Gespür für uns selbst, können wir nicht erkennen, wann es reicht oder ob es stimmig ist, weiter zu machen. Die meisten Menschen besitzen dieses Gefühlssensorium, doch sie schieben es beiseite, gehen drüber oder spalten es irgendwann komplett ab.

  • Wenn wir beim Funktionieren eine wiederkehrende Begeisterung und Erregung verspüren, dann ist das ein Zeichen für Suchtverhalten. Wir brauchen hier den äußeren Kick, weil wir die innere Freude verloren haben.

  • Vielleicht gibt es einen inneren oder äußeren Leistungsdruck, was uns einen Hinweis auf Perfektionismus oder ungelöste Elternbeziehungen gibt.

  • Oder wir haben eine permanente innere Unruhe, was auf zu viel Stress im Körper hinweist, der uns nicht zur Ruhe kommen lässt und uns ständig dazu zwingt, uns zu beschäftigen.

  • Im Funktions- und Überlebensmodus wollen wir meistens etwas erfüllen: die eigenen Ansprüche oder die Erwartungen der Umwelt. Unaufhörlich folgen wir diesem Druck – bis irgendwann nichts mehr geht, wir deprimiert und antriebslos herum liegen, an nichts mehr Freude haben und keine Lust mehr verspüren, wenn wir etwas erledigen müssen.

Bei alledem verlieren wir das Gespür für den Körper, die Körperkräfte und für das Gefühl von Stimmigkeit: also ob eine Handlung für uns gut ist oder nicht. Zudem geht uns allmählich der Sinn hinter unserem permanenten Machen und Tun verloren, da Aufwand und Nutzen nicht mehr in Balance sind.

Funktionieren ist nichts Schlechtes. Meistens haben wir dieses Verhalten von unseren Elter kopiert. Es kann in manchen Momenten oder Phasen des Lebens sehr hilfreich sein, doch es ist nichts für den Alltag. Denn im Überlebensmodus ist kein Platz für Beziehung, Genuss und Weiterentwicklung.

Tipps und Übungen:

  • Werde dir des Funktionierens bewusst. Entwickle ein Bewusstsein darüber, wann du im Funktionsmodus bist und dann schalte um auf achtsames, gefühltes und bewusstes Handeln.

  • Überprüfe deine Gewohnheiten. Schau, was dir nicht gut tut und ändere es. Suchtverhalten suggeriert uns immer, dass etwas Schädliches gut ist – überprüfe das für dich.

  • Verlerne folgendes: blind deinem Willen, den Erwartungen und Vorstellungen zu folgen – folge stattdessen deinem Gefühl für Stimmigkeit (also lass die Dinge sein, die sich falsch anfühlen, die du nur aus Pflichterfüllung tust), folge deiner Lust und Freude (Vorsicht: Sucht gaukelt dir auch Spaß und Begeisterung vor – kann man leicht verwechseln)

  • Multitasking ist schädlich für Körper und Seele – mache eine Sache bewusst und bis zum Ende, dann das nächste

  • Hole dir Hilfe, wenn es zu viel wird

  • Halte inne und spüre deinen Körper, deine Fußsohlen und Körpergrenzen sooft du kannst

Ursache Nr. 2 – ungelöste seelische Belastungen, Trauma und das transgenerative Trauma

In unserem Inneren warten unverarbeitete seelische Belastungen auf uns. Um diese nicht spüren zu müssen, lenken wir uns ab, funktionieren oder betäuben uns. Wenn wir das über viele Jahre tun, entwickeln wir nicht nur zahlreiche chronische Krankheiten, sondern erschöpfen den Körper zutiefst.

Ich kenne keinen Menschen, der nicht irgendetwas in seinem Innenleben zu verarbeiten hat. Unsere Mangelprägungen aus der Kindheit, schlimme Ereignisse, körperliche und seelische Grenzverletzungen, Demütigungen, Trauer – um nur einige zu nennen – brauchen unsere Aufmerksamkeit, um heilen und verarbeitet werden zu können. Es reicht nicht, zu verstehen, was gelaufen ist. Wir müssen mit diesen inneren schmerzvollen Ereignissen in Kontakt kommen und lernen, damit umzugehen.

Bei einem ausgewachsenem Trauma ist das nicht so leicht. Da brauchen wir meist Hilfe und Unterstützung, denn es nützt uns gar nichts, in die Gefühlsladungen eines Traumas hinein zu fallen. Das ist eher erschreckend und das Trauma löst sich nicht auf. Hier ist eine begleitete und vorsichtige Vorgehensweise wichtig. Ein Trauma ist wie ein emotional-energetischer Eisblock, der nur langsam aufgetaut werden kann.

Über das transgenerative Trauma (TGT) habe ich schon ein paar mal geschrieben. Es ist eine seelische Belastung, die nicht gelöst werden kann. Sie muss abgelöst werden. Das TGT ist wie eine innere Besetzung/Gefühlsinvasion mit/aus fremder Energie und emotionalen Ladungen. Hier ist es wichtig, zu unterscheiden, was ist das Eigene und was ist das Fremde. Das Fremde muss bewusst wahrgenommen und bei der Person gelassen werden, zu der es gehört (Mama oder Papa in der Regel). Hier hilft es, die unbewusste Symbiose zu diesem Elternteil zu lösen. Diese muss zunächst bewusst gemacht und dann geistig, emotional und energetisch getrennt werden.

Haben wir ein Trauma oder ein TGT in uns, dann entwickeln wir Traumafolgestörungen. Eine dieser Folge ist Erschöpfung.

Tipps und Übungen:

  • kümmere dich um dein Innenleben: fühle deine Gefühle, meditiere, versenke dich regelmäßig nach Innen, beobachte, was aus deinem Inneren auftaucht, reflektiere deine Handlungen, Reaktionen und Empfindungen, registriere deine Prägungen, betrachte deine Verhaltensmuster, sieh dir genau an, wie du mit dir uns anderen umgehst – all das ist sehr wichtig, wenn du aus dem Hamsterrad der Zerstreuung, Ablenkung und Selbstentfremdung heraus und wieder zu Kräften kommen möchtest

  • mache Innere-Kind-Arbeit

  • Nur weil du nichts fühlst, bedeutet das noch lange nicht, das da nichts ist – entscheide dich, dich wieder auf deine Gefühle, auf dein Innenleben einzulassen

  • Übe dich in Selbstliebe und Selbstfürsorge

  • Denke immer daran: Schmerz und Traurigkeit, die heute in dir von jemandem oder von etwas ausgelöst werden, sind immer alte Gefühle – die du in dir trägst, aus deiner Vergangenheit, die du nur verdrängt hast – kümmere dich um sie, anstatt im außen weiter zu kämpfen, zu funktionieren und zu suchen

  • fühle, fühle und fühle dich und werde seelisch heil

Ursache Nr. 3 – wenn der Körper zu lange ausgepowert wurde

Ist der Körper durch jahrelanges Funktionieren, seelische Belastungen, Trauma und schlechte Versorgung ausgebrannt, dann sind wir in einem fürchterlichen Zustand.

Schmerzen und Krankheiten haben sich breit gemacht, Depression und Angstzustände begleiten uns im Alltag.

Haben wir es nicht gelernt, uns gut um unseren Körper zu kümmern, ihn ausgewogen zu ernähren, ihn zu bewegen, ihm Ruhe zu geben und ihn zu pflegen, dann leidet er. Unsere Aufgabe ist es dann: all dies zu lernen. Dazu gehört auch, ihn nicht permanent mit Chemie voll zu stopfen, sondern auf natürliche Heilmittel umzusteigen, die vielleicht nicht ganz so schnell wirken, aber dafür den Körper nicht vergiften und uns langfristig ins Gleichgewicht bringen.

An jeder Funktion des Körpers sind unsere Hormone beteiligt. Ist unserer Körper energetisch am Ende, dann haben wir seinen Hormonhaushalt gewaltig durcheinander gebracht: die Schilddrüse funktioniert meist nicht mehr richtig, die Sexualhormone sind nicht mehr ausgewogen und vor allem mit den Hormonen der Nebenniere haben wir dann ordentlich Raubbau betrieben.

Denn jede Form von äußerem und inneren Stress veranlasst die Hormone der Nebenniere, sich auf den Weg zu machen und den Körper zu fluten, um uns am Leben zu halten!!!

Es ist vor allem das Cortisol, das uns so schädigen kann. Durch dieses Hormon werden wir innerlich bereit gemacht werden, aktiv zu überleben (Überlebensmodus). Wird es permanent ausgeschüttet, dann bleibt ein erhöhter Cortisolspiegel im Blut zurück, der zu zahlreichen Symptomen führt: Angstzustände, Schlaf- und Durchschlafprobleme, Übergewicht, Gelüste auf Genussmittel, Verdauungsprobleme, Konzentrationsschwäche, Schwitzen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Weinerlichkeit, Unruhe und Gereiztheit.

Am bitteren Ende haben wir eine Nebennierenschwäche (= Burnout) und ertragen, neben all den unangenehmen Symptomen keinen Funken Stress mehr.

Tipps und Übungen:

  • Kümmere dich verantwortungsvoll um deinen Körper: sieh ihn nicht als Gegner oder als etwas, was einfach gut funktionieren soll, sondern nimm ihn in deine Obhut, wie ein kleines verwahrlostes Kätzchen, mit Geduld und viel Liebe

  • Reduziere Stress auf allen Ebenen: verändere destruktives Denken, verarbeite deine Vergangenheit, Schlafe genug, mache Sport, achte auf eine gute Ernährung, kläre Beziehungen, verlasse Menschen und Situationen, die dir nicht gut tun

  • Nimm Nahrungsergänzungsmittel zu dir: Vitamin D3 (zwischen 5000 und 10000 E am Tag) und K2 dazu, C, B-Vitamine und E, Magnesium ist ganz wichtig, Seelen, Zink, vielleicht OPC für die allgemeine Gesundheit und MSM gegen Schmerzen

  • Iss alle 3-4 Stunden etwas nahrhaftes, lass keine Mahlzeit aus, iss vor 10 Uhr etwas, gehe 22 Uhr schlafen, meide Aufputschmittel und Zucker für eine gewisse Zeit, dusche kalt

  • Reduziere Suchtverhalten: Rauchen, Alkohol, Süßes, Zocken, Ablenken, zu viel Essen, Arbeiten oder Filme schauen – denn das bedeutet Stress für deinen Körper, den er verarbeiten muss

  • Gehe in die Natur sooft du nur kannst

  • Lies noch: Das Kleine-Anti-Stress-Programm im Weblog

Zusatz: müde Kinder

Hast du ein erschöpftes Kind, das infektionsanfällig ist, viel schreit und die Schule verweigert, dann halte dich an Punkt 1-3 und du wirst sehen, dass es deinem Kind bald besser geht – nein, nicht dein Kind braucht das, sondern ihr Eltern!